(25. Januar 2026)
Das Credo
, voll besetzt wie immer (trotz starkem Schneefall gab es nur vereinzelte Absagen), bildete den feierlichen Rahmen für die erste Veranstaltung im Jubiläumsjahr. Dirigent Holzwarth hatte dazu ein buntes Programm zusammengestellt, das sowohl für sein Orchester als auch für das Publikum zahlreiche Leckerbissen parat hielt. Zuvor wurden jedoch alle Gäste traditionell mit einem Glas Sekt oder Orangensaft begrüßt.
Credo.
Finlandia
und die Nordische Sonate
– eindeutig nordisch angehaucht war der überwiegende erste Teil des Programms. Finlandia
, die populäre sinfonische Dichtung von Jean Sibelius gehört heute zum nationalen Kulturgut Finnlands und ist Ausdruck des Ringens Finnlands um Freiheit und Unabhängigkeit seines Volkes. Der gesangliche Mittelteil gilt noch heute für viele Finnen als inoffizielle Nationalhymne.
Das Instrument Akkordeon
wurde Gerhard Mohr von Dietmar Walther, Akkordeonlehrer und -virtuose in Wiesbaden, nahegebracht. Die Freundschaft zu ihm veranlasste Mohr, Werke für dieses Instrument zu schreiben. Entstanden sind dabei zehn Kompositionen für Akkordeonorchester, aus denen die dreisätzige Nordische Sonate
schon aufgrund ihrer Länge von über zwanzig Minuten herausragt. Jeder Satz ist dabei geprägt von einem musikalischen Thema. Dirigent Holzwarth brachte diese vorab dem Publikum näher.
Zu Beginn seiner Karriere hatte Gerhard Mohr allerdings ganz andere Musik komponiert: Salon- und gehobene Unterhaltungsmusik. Sein Paso Doble Man soll mit dem Feuer nicht spielen
gehörte lange Zeit zum Repertoire von Zirkus- und Varieté-Orchestern. Rhythmisch, zackig ... gerade recht als Abschluss des ersten Programmteils und um das Publikum in die Pause zu schicken.
Das von Astor Piazzolla geschaffene Genre Tango Nuevo
ist aus kaum einem Akkordeon-Konzert mehr wegzudenken. Viele Komponisten, wie beispielsweise Thomas Ott, nehmen sich dieses auch als Vorbild. Sein Tango Appassionado
mit dem charakteristischen Wechsel zwischen stark rhythmisch betonten Passagen und balladenartigen Themen ist dafür ein passendes Beispiel.
Straussoder ohne?
Ein Thema, das immer wieder auftaucht und dem auch Dirigent Holzwarth in seiner Moderation nachging. Fans der Musik von Johann Strauss jedenfalls kamen mit der Ouvertüre zu Eine Nacht in Venedig
, einem von Akkordeonorchestern eher selten gespielten Stück, auf ihre Kosten. Darin verarbeitet sind mehrere Melodien der Operette, unter anderem das bekannte Komm in die Gondel
, auch einfach bekannt als Gondellied.
Was haben der Puerto-Ricaner Rafael Hernandez, der kubanische Mambo-König
Perez Prado und der populäre brasilianische Samba-Komponist Ary Barroso gemeinsam? Sie stehen wie kaum andere Komponisten für südamerikanische Rhythmen. Aus den drei Kompositionen El Cumbanchero
, Mambo Jambo
und Brasil
entstand das Potpourri Brasilia
, eine rasante Bearbeitung von Willi Münch, dem langjährigen Leiter des Nürnberger Akkordeon-Orchesters. Sie forderte sowohl das Orchester als auch die Schlagzeuger und das Publikum wurde ebenfalls von der Spielfreude angesteckt.
Wer kennt sie nicht: With a little bit of luck
, I could have danced all night
, On the street where you live
, die bekannten Melodien aus Frederick Loewes Musical My Fair Lady
. Gleich sechs solcher Ohrwürmer
erklangen in einem Potpourri, ebenfalls in der Bearbeitung von Willi Münch, zusammen mit Herbert Bausewein.
Lang anhaltender Beifall belohnte das Orchester und den Dirigenten für intensive Probenarbeit und daraus resultierend ein technisch wie musikalisch beeindruckendes Konzert mit dem Instrument des Jahres 2026
. Selbstverständlich gab es auch noch eine Zugabe, die den Kreis nach Norden
schloss: Return to Värmeland
von Hans-Günther Kölz, der darin das schwedische Volkslied Ack Värmeland, du sköna
verwendete.
Abgerundet wurde das Konzert durch die bewährte Bewirtung vor und nach dem Konzert sowie in der Pause.
Neujahrskonzert (25. Januar 2026)